Kolumnen von Benedikt Weibel
Gedenkjass
"LoNa" 11.4.2024
Am 13. März trafen wir uns zum Jassen im Sternen. Wie vor exakt vier Jahren. Damals hatten wir eben vernommen, dass ein Lockdown verordnet wurde, worunter wir uns wenig vorstellen konnten. Die Stimmung war surrealistisch - man spürte eine noch nie erlebte Ungewissheit. Vier Jahre später scheint die Corona-Zeit schon weit zurückzuliegen.
Kürzlich ist mir ein Büchlein in die Hand gekommen: Die Zukunft nach Corona von Matthias Horx. Mit der Gewissheit des Hellsehers beschreibt der Futurologe wenige Wochen nach dem Ausbruch der Pandemie wie die Hektik verschwindet, selbst junge Menschen den Spaziergang entdecken und Bücherlesen zum Kult wird. «Und schliesslich war die Corona-Krise auch jener verlängerte Moment, in dem die Bösartigkeit fast gänzlich aus unserem Leben verschwand». Peter Bichsel hat zur selben Zeit auf die Frage, was sich durch Corona verändern werde, weniger Worte gebraucht: «nichts».
Wie sehr sich der Futurologe geirrt hat, zeigt der Titel, mit dem das Magazin «Der Spiegel» einen Rückblick auf Corona überschrieben hat: «Das Spaltvirus». Wenn man die vielerorts erschienenen Corona-Retrospektiven vergleicht, findet man zwei Gemeinsamkeiten. 1) Die nächste Pandemie wird kommen. 2) Eine echte Aufarbeitung hat nicht stattgefunden - noch immer stehen Schuldzuweisungen im Vordergrund und nicht die Lehren aus der Krise. In einer Krise macht man Fehler. Sträflich ist es, daraus nichts zu lernen.
Benedikt Weibel