Kolumnen von Benedikt Weibel
Erinnerungskultur II
"Kolumne LoNa" 6.6.2024
Meine letzte Kolumne unter diesem Titel befasste sich mit dem Schriftsteller und Philosophen Walter Benjamin, der vor über hundert Jahren in Muri gewohnt hat und spasseshalber die «Universität Muri» gründete. Daraufhin erhielt ich einen mehrseitigen Brief, in schönster Handschrift, verfasst von einer Dame, die seit über sechzig Jahren in Muri lebt. Sie schreibt mir, dass es einen ähnlichen Fall gibt: Rudolf Maria Holzapfel. Der hat sich nach einer Odyssee von Krakau über Kapstadt, London, Cherson und Zürich schliesslich in Muri niedergelassen. Bislang war ich achtlos an der eigenartigen Waldkapelle vorbeigegangen. Erst jetzt nehme ich die Tafel auf der Seitenwand zur Kenntnis:
Hier ruht Rudolf Maria Holzapfel/Seelenforscher/Denker/Dichter/1874 - 1930/Nach schicksalsschweren Jahren fand er in Muri seine letzte Schaffensstätte.
Sein Hauptwerk «Panideal» sei die «Bibel der 1986er Hippies in Bern gewesen», steht in dem Brief. Seine Tochter Monika Meyer-Holzapfel leitete als erste Tierparkdirektorin Europas das Dählhölzli und wurde Burgerin der Stadt Bern. Ihr Nachlass ist im Online-Archiv der Burgergemeinde einsehbar. Bei der Gemeinde Muri hat sie sich offenbar vergeblich um einem Raum für das Archiv ihres Vaters bemüht.
So wollen wir doch wenigstens in den Lokalnachrichten daran erinnern, dass Rudolf Maria Holzapfel, der in Muri seine letzte Heimstätte gefunden hat, vor 150 Jahren geboren wurde.
Benedikt Weibel