Kolumnen von Benedikt Weibel

Zweierlei Mass

"Kolumne LoNa" 4.9.2025

Der Stadt/Land-Graben wird wieder etwas tiefer. Ausgelöst durch Naturereignisse, unter denen die Bergbevölkerung zunehmend leidet. Wenn es um die Zukunft betroffener Dörfer geht, steht nach dem ersten Schock alsbald die Kostenfrage im Zentrum. «Die Evakuierung in Brienz wirft die Frage auf: Wann wird ein Dorf zu teuer?» Ein Entwässerungsstollen, der die Lage entspannen soll, kostet 40 Millionen Franken - «eine halbe Million Franken für jede Einwohnerin, jeden Einwohner.» Anderes Beispiel: Der «hohe Preis der prunkvollen neuen Mauer» in Bondo «wirft die Frage auf, wie viel die Sicherung von Naturgefahren kosten darf.» Die Schutzmauer und die neue Brücke über die Bondasca haben 53 Millionen Franken gekostet.

Die Städte gehen entspannter mit Geld um. 303 Millionen Franken soll die Verlängerung der Glatttalbahn um 3, 3 Kilometer kosten. Oerlikon leistet sich für 373 Millionen ein neues Sportzentrum - «Subventioniertes Saunieren» titelt die NZZ. Auf der A6 zwischen Muri und Ostring wurden eben erst mit grossem Aufwand die Pannenstreifen verbreitert und Lärmschutzwände gebaut. Trotzdem soll die Autobahn künftig unter den Boden. Kostenschätzung 2,7 Milliarden Franken für 4,5 Kilometer. Ich bin gespannt, ob bei der Vorlage des definitiven Projekts ausgewiesen wird, wie viel in diesem Fall für jede lärmgeplagte Einwohnerin und jeden lärmgeplagten Einwohner investiert werden soll.

Benedikt Weibel